Via Kurzwelle schickte an Heiligabend 1953 die Küstenfunkstelle Norddeich Radio in Ostfriesland erstmals eine Sendung in den Äther, ohne die für viele Menschen zu Wasser und zu Lande Weihnachten bald nicht mehr denkbar war. «Gruß an Bord» – ein stimmungsvolles, musikalisch umrahmtes Rundfunkereignis, bei dem Familien und Freunde schriftliche Festgrüße für Besatzungsmitglieder deutscher Schiffe auf allen Weltmeeren einsenden konnten. Legendäre Moderatoren mit Seebärenstimmen wie Hermann Rockmann und Herbert Fricke lasen die Botschaften dann vor. Und sorgten so zum Fest der Liebe für menschliche Nähe und Wärme zwischen Menschen, die sich oft monatelang nicht sehen konnten.
«Ich bin gehörig aufgeregt, weil ich zum ersten Mal hier bin und das Gefühl habe, dass mir eine große Tradition im Rücken hängt. Das ist ein schönes Gefühl, aber davor habe ich auch großen Respekt», sagt Susanne Stichler, bekannt als Moderatorin der ARD-«Tagesschau».
Seeleuten Bühne und Wertschätzung geben
Es gibt Neuerungen in der Sendung, die der aktuellen Lage angepasst seien - eingespielte Reportagen, etwa über die Philippinen, woher heute die meisten Seeleute stammen, sowie thematische Blöcke. «Aufgrund der Globalisierung kommen 90 Prozent der Dinge, die uns umgeben, über die Meere zu uns. Da wollen wir auch mal in den Hintergrund der Arbeit von Seeleuten gucken, ihnen Bühne und Wertschätzung geben», betont die so professionell wie warmherzig wirkende Moderatorin.
Im festlich mit Tannenbaum, kleinem Leuchtturm und Kerzen geschmückten Saal des Heims, einer diakonischen Einrichtung mit vielen Ehrenamtlichen, sorgen die Hamburger Ralf Lübke (Gitarre) und Frank Grischek am Schifferklavier für Musik. Statt Weihnachtsliedern erklingt etwa «All You Need Is Love» von den Beatles.
Doch natürlich werden wieder viele Grüße gesendet und persönliche Geschichten erzählt. Das Wort erhalten auch einige der gut 70 geladenen Besucher, die bei Lebkuchen und Spekulatius an langen Kaffeetafeln Platz genommen haben. Da grüßt etwa ein Ehepaar aus dem Raum Rostock seinen Sohn, der als Technischer Wachoffizier auf einem Mehrzweckfrachter Zellulose transportiert und erst Ostern wieder zu Hause sein wird. Erstaunen und Gelächter im Saal, als beide erzählen, dass die 16-köpfige Crew zu Weihnachten an Bord ein ganzes Schwein grillen will.