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Sturmflutsaison beginnt – Küstenschützer im Bau-Endspurt

Sturmflutsaison beginnt – Küstenschützer im Bau-Endspurt
In der Krummhörn in Ostfriesland sind die Deichbauarbeiten vorangekommen. (Archivbild) / Foto: Sina Schuldt/dpa
Mehr als 600 Kilometer Deichlinie schützt die Menschen in Niedersachsen vor Sturmfluten und Hochwasser. Im Sommerhalbjahr wird dafür viel gearbeitet – wie weit sind die Baustellen gekommen?

Mit dem Beginn der Sturmflutsaison enden in diesen Tagen die letzten Bauarbeiten an Deichen und anderen Küstenschutzanlagen an der niedersächsischen Nordseeküste. «Die Küstenschutzprojekte auf dem ostfriesischen Festland sind überwiegend planmäßig vorangekommen», teilte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden (Landkreis Aurich) auf Anfrage mit. 

Wegen der Sturmflutsaison, die in der Regel von Oktober bis März dauert, gibt es im Sommerhalbjahr für Deicherhöhungen oder Dünenverstärkungen nur ein bestimmtes Bauzeitenfenster. Der Landesbetrieb ist für den Küstenschutz auf den Inseln zuständig, am Festland sind es die Deichverbände.

Umweltminister Christian Meyer (Grüne) besuchte am Freitag eine große Deich-Baustelle in Ostfriesland, die nach NLWKN-Angaben nun fristgerecht abgeschlossen wurde. Zwischen den Orten Upleward und Manslagt in der Gemeinde Krummhörn (Landkreis Aurich) wurde seit 2019 auf einer Länge von mehr als vier Kilometern der Deich verstärkt und erhöht.

Küstenschutz sei eine durch die Klimakrise drängende Daueraufgabe – die Deicherhöhung in der Krummhörn sei dafür ein «sehr gutes Beispiel», sagte Meyer in einer Mitteilung. «Es zeigt: Wir lassen nicht nach und stärken den Küstenschutz weiter, denn die Meeresspiegel steigen weiter an - und wir müssen die Menschen bestmöglich schützen, die hinter den Deichen leben und arbeiten.»

Bislang war der Deich, der dort zuletzt in den 1970er Jahren ausgebaut worden war, etwa 7,80 Meter über dem Meeresspiegel hoch – und damit nach aktuellen Berechnungen bis zu 1,50 Meter zu niedrig, um etwa auch bei Sturmfluten ausreichend vor Wellen zu schützen. Insgesamt wurde für die Ertüchtigung dieses Deichabschnitts in den vergangenen Jahren nach Angaben der Deichacht Krummhörn rund 30 Millionen Euro ausgegeben. 

Wo noch gebaut wurde

Auch andernorts kamen Bauarbeiten nach Angaben der Küstenschützer voran: In Harlesiel (Landkreis Friesland) wurde mit dem Umbau der Schleuse, die Teil der Deichlinie ist, begonnen. Um das Bauwerk an den steigenden Meeresspiegel anzupassen, wurden die Schleusenkammerwände erhöht und neue Tore eingebaut. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten weitergehen. 

Nördlich von Wilhelmshaven soll bis Mitte Oktober der vorletzte Abschnitt der Deckwerkserneuerung am Voslapper Seedeich abgeschlossen werden. «Derzeit laufen noch Betonage- und Straßenbauarbeiten», teilte der NLWKN mit. Im kommenden Jahr soll die langjährige Baumaßnahme dann komplett fertig sein. 

Wo es Verzögerungen gibt

Im Bereich der Leybucht (Landkreis Aurich) arbeitete der Küstenschutz an der Renaturierung von Salzwiesen im Deichvorland. Das dabei anfallende Bodenmaterial soll in den kommenden Jahren für Deichbaumaßnahmen auf Norderney und Juist verwendet werden. Große Küstenschutzbaustellen auf den Inseln gab es in diesem Jahr nicht. Die Deiche, Schutzdünen und Küstenschutzbauwerke werden aber auch dort kontinuierlich gepflegt. 

Nicht überall sind die Küstenschutzarbeiten so weit vorangekommen, wie ursprünglich geplant – dazu zählt etwa die Instandsetzung des Deckwerks an der Westseite von Leyhörn bei Greetsiel. Weil es in dem europaweiten Vergabeverfahren laut NLWKN zu Nachprüfungen kam, konnte der Bauauftrag erst später erteilt werden – für diese Bausaison war es da aber zu spät. Das Deckwerk soll nun von April 2027 an erneuert werden.

Sind die Deiche sturmflutsicher?

Nach den Bauarbeiten bleibt nun noch die Frage: Wie sicher sind Niedersachsens Deiche und andere Küstenschutzbauwerke für die bevorstehende Sturmflutsaison? Das wird bei den sogenannten Deichschauen überprüft – am Festland sind dafür die mehr als 20 Deichverbände, auch Deichachten genannt, zuständig, die die Deiche unterhalten. Bei den Deichschauen prüfen Experten der Deichachten, von Kommunen und des NLWKN den Zustand der Deiche. Das ist wichtig, denn in den Gebieten hinter den Deichen zwischen Ems und Elbe leben mehr als eine Million Menschen.

Bislang sind erst einige Deichschauen erfolgt. Der NLWKN rechnet aber mit einem positiven Ergebnis: «Es ist, wie in jedem Jahr zu erwarten, dass die Anlagen den zu erwartenden Sturmfluten standhalten werden und die Deichachten und Landesbehörden ihren Pflichten zur Deichunterhaltung nachgekommen sind.» Auf den Inseln werden die Deiche und Dünen ebenfalls begutachtet. Dort geht der Landesbetrieb bereits von einer «Sturmflutsicherheit für das kommende Winterhalbjahr» aus, hieß es.

Wie viel Geld in den Küstenschutz floss

Niedersachsens Landesregierung hatte im Frühjahr angekündigt, in diesem Jahr erneut mehr Geld für den Küsten- und Inselschutz auszugeben. Rund 86 Millionen Euro waren dafür laut Umweltministerium vorgesehen – erneut eine Rekordsumme. Schon in den vergangenen Jahren hatte das Land mit dem Bund in diesem Bereich mehr investiert. Zum Vergleich: 2025 waren es rund 81 Millionen, 2024 rund 79 Millionen. 

Küstenschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern. Die Investitionskosten verteilen sich zu 70 Prozent auf den Bund und zu 30 Prozent auf das jeweilige Land. Auch Deichverbände fordern bereits seit Längerem höhere Investitionen in den Küsten- und Hochwasserschutz.

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