Möglicher Chemieunfall: Einsatzkräfte trainieren im Watt
An der niedersächsischen Wattenmeerküste hat das Havariekommando zusammen mit mehr als 100 Kräften den Einsatz für einen möglichen Chemieunfall trainiert. Bei der Großübung mit dem Namen «Wattsturm 2026» übten unter anderem Einsatzkräfte in Chemikalienschutzanzügen im Watt vor der ostfriesischen Küstenstadt Norden (Landkreis Aurich), angespülte Gefahrgüter zu bergen. Auch schwere, geländefähige Kettenfahrzeuge wurden eingesetzt. Die Herausforderung für die Einsatzkräfte bei so einer Lage sei erst einmal zu schauen, was angeschwemmt worden sei und welche Gefahr von den Stoffen ausgehe, sagte der Übungsleiter des Havariekommandos Sebastian Kroll. Daraus würden Einsatzmaßnahmen abgeleitet. Hinzu komme der besondere Einsatzort vor dem Deich: «Wir sind im Wattbereich, das ist eben ein anderer Fall als man sonst an Land hat. Hier haben wir eben die Schwierigkeit, dass wir es mit besonderen Einsatzbedingungen zu tun haben.» Das Übungsszenario sah eine angenommene Kollision zweier Frachtschiffe vor der Küste vor, bei der Container mit gefährlichen Stoffen und Gütern über Bord gingen. Sollte es tatsächlich zu so einem Unfall kommen, könnten die Container laut Havariekommando an die Küste treiben. Am Ufer und im Watt könnten sie je nach Wind- und Wetterverhältnissen bei Hochwasser angespült werden, was eine Gefahr für die Bevölkerung und die Umwelt bedeuten würde. «Die Einsatzkräfte trainieren deshalb das Vorgehen bei gefährlicher Ladung im Watt, den Einsatz spezialisierter Gefahrguteinheiten und geländegängiger Hägglunds-Fahrzeuge sowie die Zusammenarbeit vor Ort», teilte das Havariekommando in Cuxhaven mit. Im Ernstfall würde bei einer «komplexen Schadenslage» auch das Havariekommando als gemeinsame Einrichtung des Bundes und der fünf norddeutschen Küstenländer die Gesamteinsatzleitung und die Koordinierung der Kräfte übernehmen. An der großangelegten Übung beteiligten sich auch der Landkreis Aurich und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Feuerwehren, Technisches Hilfswerk (THW) sowie weitere Behörden und Organisationen des Küsten- und Bevölkerungsschutzes. In Niedersachsen übernimmt vor allem der NLWKN die Bekämpfung von Öl- und Schadstoffunfällen. Dazu hält die Behörde Ölbekämpfungsschiffe und ein Ölwehrgerätelager vor. Dort lagern etwa Ölsperren, Pumpen, Container, Schutzausrüstung und Spezialgerät, das im Notfall angefordert werden kann. Um im Schlick im Deichvorland zu arbeiten, sei besonderes Material nötig, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr Norden, Thomas Weege. «Wir merken doch sehr stark hier, dass das unheimlich wichtig ist für uns, dass das eine gänzlich andere Einsatzlage ist, als wir sie sonst von Brandeinsätzen oder anderen Hilfeleistungen her kennen.» Daher sei es wichtig, solche Einsätze und die Zusammenarbeit der Hilfskräfte zu üben. Vor der deutschen Nordseeküste gab es in den vergangenen Jahren mehrere Schiffshavarien, die teils zu Umweltschäden führten. 2019 etwa verlor das Containerschiff «MSC Zoe» in der stürmischen Nordsee 342 Container. Die meisten Container zerbrachen beim Aufprall auf das Wasser, in der Folge trieb tonnenweise Müll auch an deutsche Strände. 2015 havarierte der Düngemittel-Frachter «Purple Beach» etwa 30 Kilometer vor Helgoland. Rund 6.000 Tonnen Dünger hatten sich stark erhitzt und zu rauchen begonnen. Zeitweise wurde eine Explosionsgefahr durch Gase befürchtet. Das Schiff wurde nach Wilhelmshaven geschleppt. In beiden Fällen wurden komplexe Schadenslagen ausgerufen. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenSzenario: Container gehen nach Havarie verloren
Einsatzkräfte üben Zusammenarbeit
Immer wieder reale Schiffshavarien