Im Bereich der deutschen Nord- und Ostseeküste liegen nach Expertenschätzung 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Kriegsmunition auf dem Meeresgrund. «Wenn man sich das als Zug vorstellt, dann ist das ein Zug von Paris bis Moskau», sagte die Direktorin des Kieler Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung (Geomar), Katja Matthes, vor dem Start einer Tagung von mehr als 200 Expertinnen und Experten zur Bergung der Altlasten aus dem Meer in Kiel.
Die Zeit dränge, warnte die Wissenschaftlerin. «Die Munitionshüllen rosten immer stärker durch, Schadstoffe treten aus.» Die Stoffe seien krebserregend und erbgutverändernd. «In fast allen Wasserproben können solche Schadstoffe nachgewiesen werden, TNT, aber auch andere.» In der südwestlichen Ostsee seien bereits rund 3.000 Kilogramm als gelöste und giftige Chemikalien freigesetzt worden.
«Noch sind die Schadstoffbelastungen unterhalb der Schwellenwerte, aber die Konzentrationen können schnell steigen», warnte Matthes. Schadstoffe würden bereits in Muscheln und Fischen nachgewiesen. «Dort reichert sich dieses TNT an und geht dann in die Nahrungskette über.» Bisher seien zwar keine für den Menschen gesundheitsgefährdende Werte erreicht. Vorhersagen, wann dies der Fall sein könne, seien jedoch schwierig.