Mit einem dreifachen, lauten Hupen macht sich die Barkasse «Johann Hinrich Wichern» im Hamburger Hafen bemerkbar, nachdem sie längs an dem Güterschiff festgemacht hat. Wenige Minuten später kommt ein Seemann aus der Kajüte und schaut fragend auf das kleine, fast 90 Jahre alte Boot. Dort steht Helga Janssen und lächelt. Über die Reling hinweg entspinnt sich ein kurzes Gespräch. Es geht ums Wetter, die Ladung, das Wohlbefinden, die Arbeitsbedingungen. Helga Janssen gehört zum ehrenamtlichen Team der Hamburger Flussschifferkirche, Deutschlands einziger schwimmender Kirche mit festem Liegeplatz.
Seitdem wird sie von einem Verein getragen, überwiegend ehrenamtlich aufrechterhalten und von Spenden finanziert. «Eine Erfolgsgeschichte. Im Grunde sind wir ein Pilotprojekt», sagt Möller. «Wie kann Kirche sein, wenn sie sich durch Kirchensteuern nicht mehr finanzieren kann?»
Kirche ist offen für alle - und hofft auf Spenden
Die evangelisch-lutherische Kirche in Hamburg weiß die «Flusi» zu schätzen: «Die Flussschifferkirche ist nicht nur ein wunderbarer, maritimer Ort, sondern für unsere Stadt eine folgerichtige und sinnstiftende Einrichtung. Wenn Menschen an Hamburg denken, so kommt ihnen natürlich die Seefahrt in den Sinn», sagt Hauptpastorin und Pröpstin der Hauptkirche St. Katharinen, Ulrike Murmann, die in diesen Tagen in den Ruhestand verabschiedet wurde. Und weil nicht alle Seeleute in die Kirche kommen könnten, müsse Kirche zu den Schiffen fahren, «um den Menschen aller Religionen und Kulturen ein offenes Ohr zu schenken».
Es gebe auch Menschen, die regelmäßig in die Kirche kommen, sagt Diakon Mark Möller. «Aber etwa 50 Prozent besuchen diese Kirche nur einmal im Leben. Wir haben relativ viele Touristen hier.» Und das sei auch gut so. Immerhin ist die Flussschifferkirche eine Hamburgensie. Eine, die «Kirche auf dem Weg» sein will. «Es ist uns auch ein Anliegen, als ein typisches Stück Hamburg für Touristinnen und Touristen offen zu sein und so den spirituellen Raum zu öffnen.» Für jeden. Nicht nur für die Binnenschiffer.