Mit dem großangelegten Manöver Steadfast Dart wollen sich Nato-Partner auf mögliche künftige Bedrohungslagen in der Ostsee vorbereiten. Die Truppe muss kampfbereit und einsatzfähig sein, sagte der Befehlshaber der Allied Reaction Force (ARF), Generalleutnant Gianluca Carai bei einer Pressekonferenz auf dem spanischen Docklandungsschiff ESPS «Castilla», die im verschneiten Marinehafen in Kiel vor Anker liegt. Das Wetter spiele dabei keine Rolle.
Bestritten wird das Großmanöver von der sogenannten Allied Reaction Force (ARF) der Nato, einer schnellen rund 40.000 Soldaten starken Eingreiftruppe, die ständig in Bereitschaft ist – die «Speerspitze der Nato».
Unter seinem Kommando befänden sich Marine-, Luft-, Land-, Cyber-, Weltraum- und Spezialeinheiten. Dies gebe Carai als Oberbefehlshaber nach eigener Aussage genügend Flexibilität, um zu entscheiden, welche Art von Intervention umgesetzt werden soll. Im Rahmen der Nato-Übung seien in den vergangenen zehn Tagen Streitkräfte auf dem See-, Land- und Luftweg verlegt und in Deutschland gesammelt worden.
Größte Nato-Übung 2026
Zudem sind laut dem Generalleutnant in der Zeit verschiedene Trainingsaktivitäten durchgeführt worden. Am 18. Februar soll zudem eine amphibische Landungsoperation am Truppenübungsplatz Putlos durchgeführt werden. Eine der Kernaufgaben der Nato, die alle Einheiten erfüllen müssen, ist die Abschreckung und Verteidigung, betonte Carai.
Steadfast Dart 26 ist die größte Nato-Übung in diesem Jahr. Die Verbündeten demonstrieren, wie Truppen aus Südeuropa schnell näher an die Ostflanke des Bündnisses verlegt werden. Im Marinestützpunkt Kiel traf am Mittwoch der Flottenverband mit Schiffen aus fünf Nationen ein.
Bundeswehr-Sprecher: Ostsee bietet nötige Rahmenbedingungen
«Für den Marinestützpunkt Kiel ist das natürlich eine sehr starke Herausforderung», sagte Bundeswehr-Sprecher Frank Martin. Ein Verband dieser Größe laufe nicht jeden Tag ein. Doch der Stützpunkt könne die Schiffe versorgen, Reparaturen durchführen und Treibstoff bereitstellen.
Dass die Übung gerade in der Ostsee stattfinde, habe zudem keinen konkreten Anlass. Der Ort sei aufgrund der nötigen Rahmenbedingungen gewählt worden. «Dass das natürlich, das wissen wir alle, im Zusammenhang steht mit sehr in angespannten sicherheitspolitischen Situationen in der Ostsee, das kann man natürlich nicht von der Hand weisen», erklärte der Sprecher.
Dabei agierten die Truppen nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern bewegten sich etwa auch nach Niedersachsen zum Truppenübungsplatz Bergen.
Gerhartz: «starkes Zeichen der Bündnissolidarität»
Nato-General Ingo Gerhartz hat die voll angelaufene Militärübung als «starkes Zeichen der Bündnissolidarität» bezeichnet. «Die Übung unterstreicht die Bedeutung von Logistik und Infrastruktur, um Kräfte zügig durch Europa zu verlegen. Dabei spielt Deutschland eine Schlüsselrolle als zentrales logistisches Drehkreuz und wichtigstes Transitland», sagte Gerhartz, der im niederländischen Brunssum das Kommando über das operative Hauptquartier («Allied Joint Force Command») hat, der Deutschen Presse-Agentur.
Das Nato-Kommando in Brunssum ist für die Verteidigung Mitteleuropas zuständig – vom Atlantik bis zur östlichen Grenze des Bündnisses. Das operative Hauptquartier führt auch die Übung mit rund 10.000 Soldaten, mehr als 1.500 Fahrzeugen und 17 Schiffen aus 13 Nationen. Die größten Beiträge kommen aus südeuropäischen Ländern wie Italien, Spanien und Griechenland sowie der Türkei.
An diesem Manöver sind die US-Streitkräfte nicht unmittelbar beteiligt, was aber nicht als politisches Signal verstanden wird. Die Nato will damit jedoch zeigen, dass sie eine Verstärkung auch ohne die USA hinbekommt.
Die Stärkung der europäischen Säule der Nato ist politisch Thema. Von Freitag an diskutieren Politiker, Wissenschaftler und Militär auf der Münchner Sicherheitskonferenz auch darüber.
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