Nach der Tötung von sechs Menschen in Stade gehen Ermittlungen und Aufarbeitung weiter. Ein 45 Jahre alter Mann hat am Montag in der Stadt westlich von Hamburg mutmaßlich auf Menschen geschossen. Sechs Erwachsene sind tot, weitere Menschen wurden verletzt. Tatort ist eine Mutter-Kind-Wohngruppe.
Haftbefehl und Untersuchungshaft sind noch offen
Eine zentrale Frage dürfte sein, wie es mit dem Hauptverdächtigen weitergeht, den die Polizei kurz nach der Tat festnahm. Ob ein Haftbefehl beantragt und der Mann in Untersuchungshaft genommen wird, sei noch offen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Burkhard Vonnahme – Leiter der Staatsanwaltschaft Stade – bei einer Pressekonferenz am Abend.
Die Entscheidung hänge von den weiteren Ermittlungsergebnissen der Polizei ab. Der mutmaßliche Täter ist nach Angaben der Behörden in Deutschland geboren und hat türkische Wurzeln.
Offene Fragen werfen weiter die Tatwaffe und der Tathergang auf. Aus ermittlungstaktischen Gründen sagte die Polizei bisher nicht, um welche Art von Waffe es sich handelt – oder wie der Täter an sie herankam. Eine Erlaubnis zum Besitz von Waffen hat der Verdächtige nach Angaben der Behörden aber nicht.
Auch der genaue Ablauf der Tat, die in der Jugendhilfeeinrichtung stattfand, ist bisher nicht öffentlich bekannt. Die Ermittler verwiesen auf die aufwendige und detaillierte Arbeit der Spurensicherung.
Tatmotiv ist offenbar ein Sorgerechtsstreit
Hintergrund der Tat ist nach Angaben der Polizei vermutlich ein Sorgerechtsstreit. Das Motiv liege «vermutlich im Umfeld, das heißt in einem Sorgerechtsstreit», sagte die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol auf einer Pressekonferenz am Montagabend. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) nannte die Tat am Abend einen singulären Fall, der nichts mit früheren Fällen zu tun habe. Es gebe keine Verbindungen zu anderen Bereichen.
Der Verdächtige hatte den Angaben nach in der Einrichtung einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter - zusammen mit vielen seiner Opfer.
Tochter und Mutter leben
Fünf der Opfer starben noch am Tatort, eine weitere Person später im Krankenhaus. Nach Angaben der Polizei waren die vier Frauen und zwei Männer alle in der Jugendhilfeeinrichtung beschäftigt.
Die Mutter des Kindes, eine 34 Jahre alte Frau, sowie das drei Monate alte Kind zählen nicht zu den Todesopfern. Die Mutter befand sich am späten Abend laut Polizei noch in polizeilichen Maßnahmen - dabei werden unter anderem Personalien aufgenommen. Die Tochter sei in die Obhut des Jugendamtes übergeben worden.
Außerdem nahm die Polizei eine 65-jährige Frau in Gewahrsam, wie es hieß. Sie war demnach die Fahrerin des Fluchtfahrzeugs und weist nach derzeitigem Erkenntnisstand eine enge Verbindung zur Familie auf.
Der mutmaßliche Täter stammt den Angaben nach aus dem Raum Hannover. Er war polizeilich bereits bekannt, doch galt laut Lüneburgs Polizeipräsidentin Kathrin Schuol «bisher nicht als absolut gewalttätig».
Merz «erschüttert bis ins Mark»
Bundeskanzler Friedrich Merz drückte am Abend sein Mitgefühl aus. «Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark», schrieb der CDU-Politiker auf der Plattform X. Viele Menschen, «die helfen und schützen wollten», hätten ihr Leben verloren oder seien verletzt worden.
«Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen», schrieb Merz weiter. Zudem dankte er den Polizistinnen und Polizisten «für ihren schnellen Einsatz».
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