Das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) und Fachleute verschiedener Disziplinen warnen vor einer zunehmenden Unterwanderung legaler Strukturen durch organisierte Kriminalität. Kriminelle Netzwerke nutzten Unternehmen, Finanzwege, Transportstrukturen und digitale Dienste, um Straftaten zu begehen, Gewinne zu verschleiern und Einfluss zu gewinnen, hieß es bei einem Symposium des LKA in Hannover. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sagte, organisierte Kriminalität betreffe den Kern staatlicher Handlungsfähigkeit.
Ministerin: Kriminelle Strukturen bei illegalen Gewinnen treffen
Ein wichtiger Ansatz sei der sogenannte Finanzangriff, sagte Behrens. Kriminelle Strukturen müssten dort getroffen werden, wo sie besonders empfindlich seien: bei ihren illegalen Gewinnen. 2024 seien in Niedersachsen rund 7,5 Millionen Euro aus kriminellen Strukturen abgeschöpft worden – laut Behrens der höchste Wert seit mehreren Jahren. Zugleich sei das nur ein kleiner Teil dessen, was in der Szene tatsächlich umgesetzt werde.
LKA-Präsident Thorsten Massinger sagte, organisierte Kriminalität sei hochgradig international, wirtschaftlich vernetzt, digital, flexibel und arbeitsteilig. Sie greife dort an, wo Demokratien besonders verletzlich seien: bei Vertrauen, Stabilität und staatlicher Handlungsfähigkeit. Es gehe nicht mehr nur um einzelne Tätergruppen oder klassische Ermittlungsverfahren, sondern auch um Schattenökonomien, illegale Finanzströme, Logistiknetzwerke und digitale Dienstleistungsmodelle.