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Drei Jahre Haft für Ex-Anästhesisten – Narkose ausgenutzt

Der Verurteilte hatte zentrale Vorwürfe bereits im Prozess eingeräumt. / Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Der Verurteilte hatte zentrale Vorwürfe bereits im Prozess eingeräumt. / Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Ein früherer Anästhesist soll narkotisierte Patientinnen intim fotografiert haben – fast alle waren Kinder. Nun ist am Landgericht Hannover das Urteil gefallen.

Wegen intimer Fotos von narkotisierten Patientinnen und weiterer Taten ist ein früherer Anästhesist vom Landgericht Hannover zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Gericht sprach den 52-Jährigen unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Besitzes kinderpornografischen Materials schuldig. Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig.

Die Betroffenen waren fast alle minderjährig

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der frühere Arzt im Regionsklinikum Neustadt am Rübenberge bei Hannover die Betäubung von oft minderjährigen Patientinnen ausnutzte, um intime Fotos von ihnen zu machen. Die Taten erstreckten sich nach den Feststellungen des Gerichts über Jahrzehnte – teils waren Taten daher schon verjährt. Die Betroffenen waren fast alle minderjährig. Das jüngste Opfer war acht Jahre alt.

Die Vorsitzende Richterin sagte, der Mann habe als Arzt und auch im privaten Umfeld massiv Vertrauen missbraucht. Nach den Feststellungen des Gerichts fotografierte er während seiner Tätigkeit als Anästhesist mehrere narkotisierte Patientinnen im Operationssaal. In einem Fall nahm er demnach auch sexuelle Handlungen an einer Patientin vor.

Mehrere Opfer leiden unter schweren psychischen Folgen

Das Gericht sah als Motiv unter anderem Macht und sexuelles Interesse. Der frühere Arzt habe die besondere Schutzlosigkeit der betäubten Patientinnen ausgenutzt. Mehrere Opfer sprachen im Prozess von schweren psychischen Folgen. Genannt wurden unter anderem Angstzustände, Panikattacken, Schlafstörungen, Probleme in Schule oder Ausbildung sowie ein erschüttertes Vertrauen in Ärzte und insbesondere Männer.

Neben den Taten im Krankenhaus ging es im Verfahren auch um Aufnahmen aus dem persönlichen Umfeld des Verurteilten. Zudem waren auf dem Handy des Mannes zahlreiche Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs gefunden worden. Anlass für die Ermittlungen war ein Vorfall im Sommer 2024 auf einem kroatischen Campingplatz, auf dem der Verurteilte nackte Kinder fotografiert hatte.

Staatsanwaltschaft forderte sechs Jahre Haft und Berufsverbot

Der Verurteilte hatte zentrale Vorwürfe im Prozess eingeräumt. Vor der Urteilsverkündung entschuldigte er sich bei den Opfern. «Mehr kann ich nicht tun», sagte der 52-Jährige.

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft und zusätzlich ein Berufsverbot gefordert. Sie verwies auf den langen Tatzeitraum, die hohe Zahl der Betroffenen und die psychischen Folgen für die Opfer. Zugunsten des Verurteilten wertete sie unter anderem das weitreichende Geständnis und Zahlungen von Schmerzensgeld.

Verurteilter gab Zulassung als Arzt freiwillig ab

Die Verteidigung hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung beantragt. Der Verteidiger verwies unter anderem darauf, dass sein Mandant die Aufnahmen nicht verbreitet habe, sich in Therapie begeben und seine Approbation als Arzt zurückgegeben habe. Ein umfassendes Berufsverbot hielt er für überzogen – das Gericht folgte ihm in diesem Punkt.

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