Die Zahl der Scharlach-Fälle bei Kindern hat nach Angaben der Krankenkasse DAK stark zugenommen. 2023 wurden demnach viermal mehr Kinder mit der Infektionskrankheit in Arztpraxen behandelt als ein Jahr zuvor, wie aus einer Sonderanalyse des niedersächsischen DAK-Kinder- und Jugendreports hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Hochgerechnet seien rund 40.200 Kinder zwischen einem und 14 Jahren betroffen gewesen - das sei der höchste Stand der vergangenen fünf Jahre.
Besonders 10- bis 14-jährige Jungen betroffen
Im vergangenen Jahr wurde demnach ein Anstieg der Fallzahlen um 346 Prozent festgestellt, 36,7 Fälle von Scharlach je 1.000 Kinder wurden von Ärztinnen und Ärzten dokumentiert - 2022 waren es noch 8,2 Fälle je 1.000 Kinder. Besonders betroffen waren 10- bis 14-jährige Jungen, in dieser Altersgruppe verneunfachte sich die Zahl der Infektionen.
«Es ist wichtig, dass wir die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen», mahnte der Leiter der DAK-Landesvertretung in Niedersachsen, Dirk Vennekold. «Wir müssen die Eltern von der Nordsee bis zum Harz über Infektionskrankheiten wie Scharlach aufklären.» Die DAK-Gesundheit zählt mit rund 5,5 Millionen Versicherten zu den großen Krankenkassen Deutschlands.
Deutlicher Anstieg auch in Bremen
In Bremen versechsfachte sich laut DAK 2023 die Zahl der Scharlach-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen im Alter bis 14 im Vergleich zum Vorjahr, wie der «Weser-Kurier» berichtete. In der besonders betroffenen Gruppe der Fünf- bis Neunjährigen waren es sogar neunmal mehr. Insgesamt gab es laut Bericht etwas über 28 Fälle je 1000 Kinder - bundesweit waren es im vergangenen Jahr demnach rund 39 Fälle je 1000 Kinder.
Die Ergebnisse spiegelten die Realität in den Praxen eindrucksvoll wider, sagte Michael Hubmann, der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Der starke Anstieg von Scharlach-Fällen bei Kindern sei auf Nachholeffekte nach der Corona-Pandemie zurückzuführen, erklärte er. Entscheidend sei die Arzneimittelversorgung: «Wir brauchen eine stabile Versorgung mit oralem Penicillin.»