Warum Ärzte für neue Organspende-Regeln sind
Im Ringen um mehr Organspenden in Deutschland hat sich die Ärztekammer in Niedersachsen entschieden für die Einführung einer Widerspruchsregelung ausgesprochen. «Man wird nicht zwangsläufig zum Organspender, sondern kann sich dagegen entscheiden», sagte die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Marion Charlotte Renneberg, der Deutschen Presse-Agentur. Ein entsprechendes Gesetz wäre aus ihrer Sicht ein «wichtiger Baustein zur Förderung der Organspenden in Deutschland». Zu dem Gesetzentwurf ist am 4. November eine Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags geplant. Dem Entwurf zufolge sollen alle Erwachsenen als Organspender nach dem Tod gelten – es sei denn, sie widersprechen. Bisher ist für Entnahmen eine ausdrückliche Zustimmung nötig. Für die Befürworter der Widerspruchsregelung ist es schon der dritte Anlauf, nachdem eine erste Initiative 2020 im Bundestag scheiterte und eine zweite wegen der vorgezogenen Wahl 2025 nicht mehr zur Abstimmung kam. Generell gelte es als Problem, dass viele Menschen positiv zu Organspenden stehen, aber die Bereitschaft dazu nicht dokumentierten, sagte Renneberg. Die Last der Entscheidung falle dann auf Angehörige von Verstorbenen zurück. Diese seien «in einer hochdramatischen Situation», wenn ein geliebter Mensch sterbe, und viele seien mit einer Entscheidung dann völlig überfordert, betonte sie. Aber: «Im Laufe eines Lebens sollte jede und jeder darüber nachdenken, wie er dazu steht.» Mit der neuen Regelung könne jeder jederzeit aktiv widersprechen. Damit werde es für Angehörige leichter. «Mein Wunsch wäre, dass das Vertrauen dadurch größer wird», sagte Renneberg. «Ich möchte das Thema gerne aus der Tabuzone herausholen.» Menschen könnten ganz plötzlich auf eine Organspende angewiesen sein – «ich glaube, dass vielen das nicht klar ist». Die Menschen müssten besser informiert werden, das Thema Organspende solle Einzug halten in Ausbildung und Schule, um keine Ängste davor zu entwickeln, forderte sie. Organe wie Nieren, Lebern oder Herzen für schwer kranke Patienten werden seit langem dringend benötigt. Im vergangenen Jahr gaben 985 Menschen nach dem Tod ein Organ oder mehrere Organe für andere frei, wie die koordinierende Deutsche Stiftung Organtransplantation ermittelte. Dies war der höchste Stand seit 2012. Zugleich standen Ende 2025 aber rund 8.200 Menschen auf den Wartelisten. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres wurden demnach bundesweit 772 Organspender gezählt, 3,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Betrachtet man allein Niedersachsen, waren es im ersten Dreivierteljahr 58 Organspender nach 62 ein Jahr zuvor. In Bremen stieg die Zahl von 7 auf 10. Gleichzeitig standen in Niedersachsen Ende September 736 Menschen auf den Wartelisten, in Bremen waren es 49. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenAngehörige sind «in einer hochdramatischen Situation»
Lange Wartelisten