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Erkältung oder Allergie? Warum Allergiker im Herbst besonders leiden – und was im Schlafzimmer wirklich hilft

Person mit Taschentuch auf dem Bett im Schlafzimmer
Nase läuft, Augen jucken – morgens im Schlafzimmer? Das ist ein klassisches Milbenbild, sagt Allergie-Experte Dr. Rüdiger Wahl. / Foto: katemangostar auf magnific.com

Die Fenster bleiben zu, die Heizung läuft – und plötzlich läuft auch die Nase. Was viele für den ersten Schnupfen des Jahres halten, ist häufig eine Allergie: Mit der Heizperiode beginnt die Hochsaison der Hausstaubmilbe. Allergie-Experte Dr. Rüdiger Wahl erklärt, woran Sie den Unterschied erkennen und was im Schlafzimmer wirklich hilft.

Warum der Herbst für Allergiker so tückisch ist

Im Herbst überlagern sich gleich mehrere Belastungen, erklärt Dr. Rüdiger Wahl im Gespräch mit dem Luftreiniger-Hersteller Coway Europe. Draußen blühen Beifuß und Ambrosia bis zum ersten Frost, im feuchten Laub gedeihen Schimmelpilze. Gleichzeitig verlagert sich das Leben nach drinnen: Fenster zu, Heizung an – und damit beginnt die Hochphase der ganzjährigen Allergie, die vor allem die Hausstaubmilbe verursacht. „Das ist kein Randthema“, sagt Wahl. Je nach Region seien 10 bis 14 Prozent der Bevölkerung auf Hausstaubmilben sensibilisiert.

Viele wundern sich, dass ihr „Heuschnupfen“ im Oktober zurückkommt. „Meist ist das kein Nachzügler der Pollensaison, sondern ein Wechsel des Auslösers – und der findet nicht mehr im Park statt, sondern im Schlafzimmer.“

Erkältung oder Allergie? Diese Hinweise verraten es

Die Symptome ähneln sich, deshalb wird die Allergie so oft übersehen. Ein paar Hinweise sind laut Wahl aber zuverlässig: „Bei einer Allergie juckt es – Nase, Augen, Gaumen –, das Sekret bleibt klar und wässrig. Fieber, Gliederschmerzen und Halsschmerzen gehören nicht dazu.“ Eine Erkältung sei zudem nach spätestens zehn Tagen durch: „Wer nach zwei Wochen noch dieselbe laufende Nase hat, sollte umdenken.“ Der wichtigste Hinweis ist aber der Ort: „Wenn Augen und Nase vor allem in der Wohnung laufen, besonders im Schlafzimmer und morgens nach dem Aufwachen, ist das ein klassisches Milbenbild.“

Ein einfacher Praxistest: Bessert ein Antihistaminikum die Beschwerden innerhalb einer Stunde deutlich, spricht das für eine Allergie. Wahls Rat: bei Erkältungssymptomen, die nicht enden wollen, neben dem Hausarzt auch den Allergologen aufsuchen.

Heizung an: Warum die Beschwerden beginnen, wenn die Milben sterben

Hausstaubmilben sind Spinnentiere, etwa 0,3 Millimeter klein und mit bloßem Auge unsichtbar. Im Herbst kippt das Klima in der Wohnung. „Sinkt die Luftfeuchte durch die trockene Heizungsluft dauerhaft unter 50 Prozent, sterben die Tiere in großer Zahl, zersetzen sich und setzen dabei eine Vielzahl an Allergenen frei“, erklärt Wahl. Dazu komme der über Monate im Bettzeug angesammelte Kot.

Weniger Milben, aber mehr Beschwerden? „Milbenzahl und Allergenbelastung sind zwei verschiedene Dinge“, sagt Wahl. „In der trockenen Luft zerfällt das alles zu feinem Staub, der schon beim Aufschütteln der Decke aufgewirbelt wird und lange schwebt.“ Dazu verbringen wir acht Stunden pro Nacht mit der Nase direkt über der Matratze, wo sich rund 100 Milben pro Gramm Staub finden, auf dem Fußboden nur zehn. „Der Herbst ist für Milbenallergiker deshalb weniger ein Milbenproblem als ein Innenraumluft-Problem.“

Was im Schlafzimmer wirklich hilft – und was nicht

Wenn er nur eine Maßnahme empfehlen dürfte, sagt Wahl, dann diese: „Encasings, also milbendichte Überzüge, die man über Matratze, Kissen und Decke zieht. Die Matratze ist das Reservoir Nummer eins, und ein Encasing kappt den Weg zwischen Milbenallergen und Atemluft physisch.“ Bei nachgewiesener Milbenallergie zahlen die gesetzlichen Kassen in der Regel auf Rezept. Dazu kommt die 60-Grad-Wäsche der Bettwäsche alle ein bis zwei Wochen, denn bei 40 Grad überleben Milben. Von anderen beliebten Maßnahmen hält der Experte wenig: „Ein Matratzentausch ohne Encasing ist rausgeworfenes Geld.“

Der hartnäckigste Irrtum aber ist die Tiefkühltruhe. „Die Milben werden durch die Kälte zwar abgetötet, aber die Allergene sind thermostabil und bleiben genau da, wo sie waren“, so Wahl, der das mit einem selbst entwickelten Test belegt hat. Die 60-Grad-Wäsche wirke dagegen vor allem, weil das Wasser die Allergene ausspült. Außerdem rät er: Schlafzimmer kühl halten, um 18 Grad, morgens stoßlüften, Luftfeuchte unter 50 Prozent.

Was ein Luftreiniger im Schlafzimmer leisten kann – und was nicht

„Die Schadstoffe, über die sich die meisten Menschen Sorgen machen, sind draußen. Die, die acht Stunden pro Nacht in unsere Atemwege gelangen, sind drinnen und unsichtbar“, sagt Wahl. Neben dem Milbenallergen sind das Schimmelpilzsporen, Pollen, Feinstaub von Kerzen und Kaminöfen – und Tierallergene, selbst in Wohnungen, in denen nie eine Katze gelebt hat. All das sind luftgetragene Partikel, und genau da setzen Luftreiniger an.

Bei Geräten wie denen von Coway holt ein HEPA-Filter die Partikel aus der Luft, Aktivkohle bindet Gase und Gerüche, und ein Sensor misst die Belastung in Echtzeit und passt die Leistung automatisch an. „Das Gerät arbeitet also genau dann am stärksten, wenn das Bett gemacht wird oder Pollen durchs Fenster kommen“, erklärt Wahl. „Ich empfehle ihn im Schlafzimmer, nachts im Dauerbetrieb.“ Coway ist ein international tätiger Spezialist für gesunde Raumluft und mit seinen Luftreinigern in mehr als 40 Ländern vertreten; Grundlage ist laut Unternehmen das branchenweit größte Forschungs- und Entwicklungszentrum für Luft- und Wassertechnologie.

Eines stellt der Experte allerdings klar: „Ein Luftreiniger reinigt die Luft, nicht die Matratze.“ Er gehöre neben Encasings, 60-Grad-Wäsche und richtigem Lüften zur Strategie – als der Teil, „der aus der Luft holt, was alle anderen Maßnahmen dort noch übrig lassen“.