Das Land Niedersachsen liegt beim Anteil alkoholabhängiger Menschen nach einer Untersuchung der Krankenkasse Barmer über dem bundesweiten Durchschnitt - trotz sinkender Tendenz. Zwar sei der Bevölkerungsanteil mit einer diagnostizierten Alkoholsucht im Land zwischen 2018 und 2023 leicht von 1,81 Prozent auf 1,76 Prozent gesunken, teilte die Krankenkasse zu einer Auswertung des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung mit. Aber bundesweit betrage der Durchschnitt nur 1,7 Prozent.
Tatsächliche Zahl der Betroffenen könnte höher sein
Deutlich mehr Betroffene als in Niedersachsen gab es laut Barmer 2023 in Mecklenburg-Vorpommern (2,6 Prozent der Bevölkerung) und Sachsen (2,3 Prozent). Am geringsten war der Anteil in Baden-Württemberg (1,46 Prozent), Hessen (1,45 Prozent) und Rheinland-Pfalz (1,47 Prozent). Diese erheblichen regionalen Unterschiede ließen sich «nicht allein medizinisch erklären», sagte Heike Sander, die Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen. Auch soziale und demografische Aspekte spielten vermutlich eine wichtige Rolle.
«Mit unseren Daten können wir medizinische Behandlungen im Zusammenhang mit einer Alkoholerkrankung erfassen», sagte Sander. «Die tatsächliche Anzahl der Betroffenen könnte jedoch deutlich höher liegen.»
Suchtpotenzial und Risiken von Alkohol «von vielen unterschätzt»
Es sei an der Zeit, das Thema Alkoholsucht verstärkt in den Fokus der Gesundheitsvorsorge zu rücken und die gesellschaftliche Verharmlosung von Alkohol kritisch zu hinterfragen, mahnte Sander. Alkoholsucht sei eine zerstörerische Krankheit.
Sie betonte: «Sowohl das Suchtpotenzial als auch die gesundheitlichen Risiken von Alkohol werden von vielen unterschätzt.» Das habe auch damit zu tun, dass Alkoholkonsum in Deutschland weitgehend gesellschaftlich akzeptiert sei: «Dabei ist Alkohol ein Zellgift, das für die Entstehung von mehr als 200 Krankheiten mitverantwortlich sein kann.»