«Eine einmalige Gelegenheit» nennt Dragqueen Olivia Jones den Plan, einen Platz in ihrer niedersächsischen Heimatstadt Springe nach ihr zu benennen. Die Kunstfigur hat sich einen Tag vor einer Abstimmung im Ortsrat dazu am Mittwoch mit einem offenen Brief erstmals zu Wort gemeldet. Die Idee für die Benennung hatte der Bürgermeister von Springe, Christian Springfeld (parteilos). Er möchte damit die Ehrenbotschafterin der Stadt würdigen und Sichtbarkeit für sexuelle Minderheiten schaffen. Olivia Jones ist die Kunstfigur des Travestiekünstlers Oliver Knöbel. Meist wird Jones (56) mit Hamburg in Verbindung gebracht, wo die Dragqueen lebt und mehrere Lokale auf der Reeperbahn betreibt. Sie fände es schade, «wenn Springe diese einmalige Gelegenheit, ein wahrscheinlich weltweit historisch beispielloses Zeichen für Vielfalt zu setzen, nicht nutzen würde», schrieb Jones in dem Brief. Vor allem «in Zeiten, in denen wieder Menschen, die sich für Vielfalt, Freiheit und Demokratie stark machen, unter Druck gesetzt oder bedroht werden». Sie betonte aber auch, dass sie eine Ablehnung der 30.000-Einwohner-Stadt nicht übelnehmen würde. «Es geht nicht um mich. Es geht um das, wofür ich stehe.» Bürgermeister Springfeld hatte nach Bekanntwerden der Pläne gesagt: «Olivia Jones ist Ehrenbotschafterin unserer Stadt — und steht weit über Springe hinaus für Vielfalt, Toleranz, Selbstbestimmung und die Freiheit, aber auch den Mut, ohne Angst anders sein zu dürfen.» Die Botschaft sei tagtäglich wichtig, das zeige auch die Diskussion um den Namen des Platzes. Geplant ist, dem bisher unbenannten Platz vor dem Alten Rathaus den neuen Namen zu geben. Dort ist auch der Markt der Stadt südwestlich von Hannover beheimatet. Neben «Olivia-Jones-Platz» steht auch der «Platz der Vielfalt» als neuer Name im Raum. Die Dragqueen schlug nun zudem einen Kompromiss vor: «Olivia-Jones-Platz der Vielfalt». Bei einer Umfrage unter rund 350 Menschen, die hauptsächlich aus Springe stammen, sprach sich fast die Hälfte für die Umbenennung des Platzes in «Olivia-Jones-Platz» aus. Mehr als jede zehnte Stimme ging zudem an «Platz der Vielfalt» oder «Platz der Gleichstellung». Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenBekannt für Hamburger Reeperbahn-Lokale