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Druck wächst – Harzer Schmalspurbahnen brauchen Sparkonzept

Bei den Harzer Schmalspurbahnen muss investiert werden. (Archivbild) / Foto: Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dpa
Bei den Harzer Schmalspurbahnen muss investiert werden. (Archivbild) / Foto: Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dpa

Droht den beliebten Harzer Schmalspurbahnen das Aus? Klar ist: Es fehlen Millionen für Investitionen und den laufenden Betrieb. Auch in diesem Jahr ist das Defizit wieder groß.

Angesichts der Millionenlücke bei den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) fordert Sachsen-Anhalts Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) vom Unternehmen zügig ein Konzept, wie vor allem laufende Kosten gesenkt werden können. «Ich halte die Harzer Schmalspurbahnen für ein wichtiges Element im Harz», sagte Hüskens. «Ich möchte gerne, dass das Zukunft hat.» Allerdings: «In der Zukunft können wir nicht sagen, wir finanzieren jedes Defizit.»

Das Streckennetz und die Fahrzeuge der vor allem bei Touristen beliebten Harzer Schmalspurbahnen müssen umfassend saniert werden. Dafür ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ein dreistelliger Millionenbetrag nötig. Die HSB hatten dazu ein Gutachten erstellen lassen, das mögliche Handlungsoptionen betrachten sollte. Darin werden auf knapp 300 Seiten auch Streckenschließungen und ausgedünnte Fahrpläne diskutiert. Aufsichtsratschef Thomas Balcerowski (CDU) sagte am Donnerstag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats, dass die Existenz der HSB möglicherweise infrage stehe, wenn es keine zusätzlichen Mittel von den Ländern gebe.

Defizit in diesem Jahr schon wieder bei 4 Millionen Euro 

Infrastrukturministerin Hüskens sieht die HSB derzeit dagegen nicht akut gefährdet. «Ich sehe nur akuten Handlungsbedarf.» Allein das Land Sachsen-Anhalt hat in den Jahren 2024 und 2025 jeweils mehr als 20 Millionen Euro für die HSB ausgegeben und damit deutlich mehr, als ursprünglich im Verkehrsvertrag vereinbart. Unter anderem wegen stark gestiegener Energie- und Personalkosten fuhren die HSB in den vergangenen Jahren teils Millionendefizite ein: 2023 waren es laut Geschäftsbericht 2,4 Millionen Euro, im vergangenen Jahr nach Medienberichten sogar 5,6 Millionen Euro. Bereits in den ersten sechs Monaten dieses Jahres liegt das Defizit nach Angaben des Aufsichtsrats wieder bei rund 4 Millionen Euro. 

Die Geschäftsführung der Harzer Schmalspurbahnen sei daher beauftragt worden, bis Ende September einen genauen Wirtschafts- und Investitionsplan vorzulegen, sagte der Aufsichtsratschef und der Landrat des Landkreises Harz, Balcerowski. Es sei dann die Frage, wer die Defizite ausgleiche, betonte er in Richtung des Infrastrukturministeriums. Ministerin Hüskens will diese Pläne abwarten. Ziel sei es, die HSB zu erhalten. Es müsse aber wirklich kritisch geschaut werden, welche Möglichkeiten der Einsparungen es gibt. 

Mehr als dreimal so teuer wie sonstiges Schienennetz 

Denn die 140 Kilometer des Streckennetzes in Thüringen und Sachsen-Anhalt sind verhältnismäßig teuer für das Land. So liegen die Kosten pro Streckenkilometer nach Angaben des Ministeriums bei der HSB bei rund 47 Euro. Im restlichen Streckennetz seien es im Durchschnitt 15,40 pro Kilometer. 

Die Harzer Schmalspurbahnen sind ein wichtiger Tourismusfaktor im Harz. Im vergangenen Jahr fuhren nach Unternehmensangaben rund 1,14 Millionen Menschen mit den Zügen der HSB – die meisten nutzten die Strecke zum Brocken. Entlassungen drohen nach Angaben von Aufsichtsratschef Balcerowski aber nicht. Außerdem hätten die beteiligten Kommunen als Gesellschafter beschlossen, am bisherigen Streckennetz festhalten zu wollen.

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