An einer Oberschule im niedersächsischen Vechta sind über Jahre hinweg mehr als 100 Schülerinnen und Schüler mit einem zu niedrigen oder gar keinem Schulabschluss entlassen worden. Bei einer Überprüfung der Geschwister-Scholl-Oberschule seien 107 falsch vergebene Abschlüsse aus den Schuljahren 2019/20 bis 2025/26 festgestellt worden, sagte Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne). Das Land will nun auch andere Ober- und Gesamtschulen überprüfen.
Land will für konkret entstandene finanzielle Schäden aufkommen
Die Ministerin entschuldigte sich ausdrücklich bei den Betroffenen. Ihnen sollen korrigierte Abschlusszeugnisse, ein persönliches Entschuldigungsschreiben und Informationen über ihre Rechte zugeschickt werden. Das Land will nach Hamburgs Angaben auch für konkret entstandene finanzielle Schäden aufkommen, etwa wenn jemand auf eigene Kosten einen Abschluss nachgeholt hat. Eine Anlaufstelle beim Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Osnabrück soll die Betroffenen beraten.
Ausgelöst wurde die Überprüfung durch eine ehemalige Schülerin, die sich Mitte Juni wegen ihres Abschlusses an das Land gewandt hatte. Bei der anschließenden Kontrolle wurde zunächst ihr Zeugnis als falsch erkannt. Nachdem weitere Zweifel aufgekommen waren, wurden seit Ende Juli sämtliche betreffenden Abschlusszeugnisse der Schule überprüft.
Kultusministerium: keine Hinweise auf landesweites Problem
Auch eine weitere Schule, an der die Schulleiterin zuvor tätig war, wurde nach Angaben des Kultusministeriums überprüft. Dort müssen neun Zeugnisse aus den Jahren 2019/20 wegen einer ähnlichen fehlerhaften Anwendung der Regeln korrigiert werden. In späteren überprüften Jahrgängen seien keine solchen Fehler festgestellt worden.
Das Kultusministerium sieht bislang keine Hinweise auf ein landesweites systematisches Problem. Dennoch sollen die Regionalen Landesämter mit Beginn des neuen Schuljahres die Schulen befragen und anschließend stichprobenartig Zeugnisse kontrollieren.
Nach Hamburgs Angaben konzentriert sich die Überprüfung auf Oberschulen und Integrierte Gesamtschulen, weil dort mehrere Schulformen und Abschlussmöglichkeiten zusammenkommen. Insgesamt gehe es bei der Überprüfung um rund 400 Schulen.
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