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Ministerium: Schaffen schriftliche Division nicht ab

Eine Grundschülerin grübelt über eine Rechenaufgabe. (Symbolbild) / Foto: Frank Leonhardt/dpa
Eine Grundschülerin grübelt über eine Rechenaufgabe. (Symbolbild) / Foto: Frank Leonhardt/dpa

Müssen die Schüler in Niedersachsen künftig nicht mehr schriftlich dividieren? Die Landesregierung widerspricht. Am Matheunterricht wird sich dennoch etwas ändern.

Das schriftliche Dividieren soll im Mathematikunterricht in Niedersachsen bald anders unterrichtet werden als bisher. Eine Abschaffung sei aber nicht geplant, betonte das Kultusministerium in Hannover nach Berichten über die anstehenden Änderungen: «Alle Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen werden es weiter erlernen.»

Verbindlich werde die schriftliche Division künftig zwar erst in der Sekundarstufe I, also ab Klasse 5, statt in der Grundschule unterrichtet. Aber: «Auch in den Grundschulen lernen die Kinder künftig bereits Teilschritte der schriftlichen Division, endgültig gelernt wird es dann in der weiterführenden Schule», erklärte eine Sprecherin. Die Kinder lernten dadurch nicht weniger, auch der Bildungsanspruch werde nicht gesenkt.

Ministerium: Division das komplexeste aller Rechenverfahren

Hintergrund seien didaktische Überlegungen: Die schriftliche Division stelle «das komplexeste aller schriftlichen Rechenverfahren» dar. Sie erfordere das sichere Zusammenspiel des Teilens, Multiplizierens und Subtrahierens und sei besonders anfällig für typische Fehlerquellen. 

Eine zu frühe Einführung könne daher dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler Rechenwege anwenden, ohne sie ausreichend zu verstehen. «Solche Defizite können langfristige Folgen haben. Denn Mathematik baut aufeinander auf.» Zentral seien der Aufbau eines tragfähigen Verständnisses von Division als Aufteilen und Verteilen sowie der enge Bezug zur Multiplikation – und weniger, dass Kinder «automatisch eine Art Rechenanleitung befolgen können».

Änderung nicht nur in Niedersachsen geplant

Das Kerncurriculum Mathematik wurde für das neue Vorgehen geändert. Die neue Fassung ist bereits seit August 2025 in Kraft. Auswirken wird sie sich aber erst für die Dritt- und Viertklässler des Schuljahres 2027/28.

Einen Alleingang sieht das niedersächsische Kultusministerium in seinem Vorgehen nicht. Die Anpassungen orientierten sich an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) für das Fach Mathematik von Juni 2022.

Neben Niedersachsen hätten bereits fünf weitere Länder die Änderung angeschoben, hieß es. Diese sei ein Teil der bundesweiten Umsetzung gemeinsamer Standards, auf die sich alle Länder verständigt haben.

Kritik der Opposition, Zuspruch eines Experten

Kritik an der Änderung kam von der FDP, der Jungen Union und dem Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall. Die FDP-Generalsekretärin Imke Haake sagte, der Verlust mathematischer Grundfertigkeiten sei zu befürchten.

Die Landeschefin der Jungen Union, Karoline Czychon, teilte mit, die schriftliche Division sei «keine veraltete Technik, sondern die Basis für Zahlverständnis, Problemlösungskompetenz und einen erfolgreichen Übergang auf die weiterführenden Schulen». Niedersachsenmetall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt sprach von einer «Entscheidung aus Absurdistan».

Der Mathematikdidaktiker Timo Leuders von der Pädagogischen Hochschule Freiburg sagte dagegen in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Die Kinder sollten besser das halbschriftliche Dividieren durchführen. Das bringt deutliche Vorteile, zeigt die Forschung.» Das sogenannte halbschriftliche Dividieren ist das Verfahren, das künftig auch in Niedersachsen angewendet werden soll.

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