Langer Applaus, warme Worte, ein gerührter Gewerkschafter: Der Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt, Mehrdad Payandeh, ist in Hannover verabschiedet worden – vor zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft. Der 65-Jährige blickte in einer Rede auf einen Lebensabschnitt zurück, der mit einer Flucht begann und mit einem Zug endete, der ihn in eine neue Zukunft brachte.
Als er 1985 im Alter von 25 Jahren aus dem Iran floh, landete er in Ost-Berlin. Er wollte eigentlich nach Dänemark und kaufte dafür ein Zugticket – für 40 Pfennig. «Spätestens da hätte ich misstrauisch werden müssen», erinnerte er sich. «Der Zug fuhr aber nicht nach Dänemark, sondern zur U-Bahnstation Friedrichstraße. Und mit einem Schubs landete ich in West-Berlin.»
«Ich konnte kein Wort Deutsch, hatte nur ein Hemd und eine Jeans an. Es war kalt, und ich wusste nicht weiter», sagte Payandeh. Vom ersten Tag an habe ihm der deutsche Sozialstaat Schutz und Zeit gegeben, um anzukommen. Er habe gelernt, wie ein Fahrkartenautomat funktioniert, dass man auf dem Zebrastreifen keine Angst vor Autos haben muss – und dass die deutsche Sprache fast so bunt und bildhaft sein kann wie Persisch.