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Kein Verwalter: Schultz mit Osnabrück vor der Krönung

Schon bei seiner Vorstellung strahlte Timo Schultz viel Zuversicht aus. (Archivbild) / Foto: Guido Kirchner/dpa
Schon bei seiner Vorstellung strahlte Timo Schultz viel Zuversicht aus. (Archivbild) / Foto: Guido Kirchner/dpa

Vor einem Jahr war der VfL Osnabrück fast viertklassig. Nun stehen die Lila-Weißen vor dem Aufstieg in die 2. Liga - was ganz viel mit dem Trainer zu tun hat.

Timo Schultz ließ sich nicht locken. «Ohne Trainer, fahren wir nicht heim», sangen die Osnabrücker Fans nach dem 1:0 beim FC Ingolstadt am vergangenen Wochenende. Doch Schultz blieb bei sich und genoss den nächsten Dreier lieber mit seinem Trainerteam.

Sollten die Lila-Weißen demnächst aber die Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga perfekt machen, wird Schultz sicher auch das Bad in der Menge suchen. Schließlich ist der Trainer einer der Hauptgaranten für die wundersame Wiedergeburt der Niedersachsen. Nachdem der VfL in der vergangenen Saison fast in die Viertklassigkeit abgestürzt wäre, hat Schultz eine Mannschaft geformt, die die Dritte Liga inzwischen dominiert.

VfL dicht vor dem Aufstieg

«Natürlich geht es uns gut, wir genießen die Zeit», sagte Schultz in einem vereinseigenen Interview. «Wir haben uns eine überragende Ausgangsposition verschafft, mit der, glaube ich, die Wenigsten gerechnet hätten. Jetzt gilt es, das über die Ziellinie zu bringen», sagte der VfL-Coach.

Sechs Punkte Vorsprung auf Platz zwei, sieben Zähler vor dem Relegationsplatz - vier Spieltage vor dem Saisonende zweifelt eigentlich niemand mehr am Aufstieg des Traditionsclubs von der Kultstätte Bremer Brücke. Zu souverän agiert der VfL, der besonders defensiv das Maß aller Dinge ist. 19 Mal spielten die Lila-Weißen bereits zu Null, 27 Gegentore in 34 Spielen sind ein beeindruckender Wert.

Schwere Stationen für Schultz

Der bevorstehende Aufstieg hat vor allem mit Schultz zu tun. Nach zweieinhalb lange sehr erfolgreichen Jahren beim FC St. Pauli hatte der heute 48 Jahre alte Fußball-Lehrer bei den Stationen beim FC Basel und 1. FC Köln weniger Erfolg. Beide Male endete das Engagement bereits nach ein paar Monaten. «Es waren zwei tolle Städte, zwei tolle Vereine, aber auch zwei extreme Situationen», sagte Schultz im Rückblick auf diese Zeit.

Ein Jahr war der Ex-Profi danach raus aus dem Geschäft, ehe das Angebot aus Osnabrück kam. Für viele wirkte der Gang in die 3. Liga wie ein Rückschritt, für den Coach war es aber genau die richtige Aufgabe. «Ich brauche kein dickes Auto. Ob ich dritte oder erste Liga trainiere – das Projekt muss zu mir passen. Und das ist hier der Fall», sagte Schultz bei seiner Vorstellung in Osnabrück.

Von Beginn an mutig

Obwohl der VfL nach einer komplizierten Saison und der Trennung von Trainer Marco Antwerpen - mit dem sich der Club immer noch vor dem Arbeitsgericht streitet - vor einer ungewissen Zukunft stand, überraschte Schultz bereits bei seiner Präsentation mit mutigen Worten. «Ich werde hier nicht als Trainer antreten, um zwei Jahre Dritte Liga zu verwalten. Das ist nicht mein Anspruch und dafür ist auch der ganze Verein viel zu ambitioniert.»

Der VfL Osnabrück ein Kandidat für die 2. Liga? Das konnte sich zu diesem Zeitpunkt kaum einer vorstellen. Doch zusammen mit Sportdirektor und Club-Legende Joe Enochs formte Schultz ein Team, das nach anfänglichen Problemen schnell in die Spur fand.

Mannschaft wie der Trainer

Weshalb Schultz zu Beginn der Rückrunde wieder mutig nach vorn preschte und vom Aufstieg als Ziel sprach. Was für ihn ganz normal war. «Ich habe ja nur das gesagt, was, hoffe ich, alle denken», sagte Schultz. «Wenn man am 22., 24., 26. Spieltag oben dabei ist, dann kann man das Ziel doch auch angeben. Es ist ja nicht verwerflich, Ziele, die man sich intern steckt, auch öffentlich zu formulieren», sagte Schultz. «Dieses Rumgeeiere, wir schauen mal, wir sind nur Außenseiter, das brauche ich nicht.»

Seine Mannschaft folgte ihm - wie immer in dieser Saison. Auch als viele nach dem 0:1 beim MSV Duisburg einen Einbruch befürchteten, blieben sie in Osnabrück ruhig - und gewannen ein paar Tage später das Topspiel gegen Energie Cottbus mit 1:0. «Man kann sagen, wir spielen so, wie unser Trainer ist: ruhig, klar, gelassen und verlässlich», brachte es Abwehrchef Jannik Müller im «Kicker» auf den Punkt - und machte dem Erfolgscoach damit das größte Kompliment.

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