Wegen Beihilfe zum Handel mit fast 1,8 Tonnen Kokain muss sich ein 34-Jähriger vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte aus Bremen seinen Transporter für den Abtransport des Rauschgifts aus einem Container zur Verfügung gestellt haben.
Doch beim Umladen in der Nacht zum 15. Dezember 2023 im Stadtteil Wilhelmsburg wurden die Täter gestört. Sie flüchteten unerkannt vor der Polizei. Die Beamten stellten das Kokain sicher - und den Transporter.
Am Tag darauf meldete der 34-Jährige sein Fahrzeug bei der Bremer Polizei als gestohlen, um seine Beteiligung an dem Kokainhandel zu verschleiern, wie es in der Anklage hieß. Angeblich hatte er den Transporter am Vortag an einen Mann verkauft, der ihn vor der Zahlung des kompletten Kaufpreises entwendete. Gegen den vermeintlichen Käufer wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Diebstahls eingeleitet.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten jetzt Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie falsche Verdächtigung vor.
Angeklagter will aussagen
Der Verteidiger des 34-Jährigen kündigte eine Aussage seines Mandanten für den nächsten Verhandlungstag am 24. Februar an. Diese werde besonders für die Staatsanwaltschaft interessant sein, da einige Namen auftauchten. «Da ist einiges zu holen», sagte Rechtsanwalt Igor Janjevski.
Die Polizei hatte der Anklage zufolge nur zufällig von dem riesigen Kokainschmuggel erfahren. Ein Lkw-Fahrer, der in jener Nacht sein Fahrzeug ebenfalls in Wilhelmsburg abgestellt hatte, war kurz nach Mitternacht zu einer Toilette gegangen und hatte die verdächtige Umladeaktion bemerkt. Der Zeuge rief die Polizei.
Das wiederum soll der Fahrer des Container-Sattelzuges mitbekommen haben, wie eine Gerichtssprecherin erklärte. Er soll die mit dem Umladen beschäftigten Männer gewarnt haben, die daraufhin die Flucht ergriffen.
Angeklagter vorbestraft
Die Polizei fand 1.794 Kilo Kokain. Die 1.800 Päckchen seien unter Bananenkartons versteckt gewesen. Der Seecontainer war am O'Swaldkai im Hamburger Hafen umgeschlagen worden. Er sollte am folgenden Tag zum Zoll gebracht werden. Ein Auto, mit dem die Verdächtigen geflüchtet waren, konnte die Polizei später sicherstellen, wie eine Kriminalbeamtin als Zeugin sagte.
Im Navigationsgerät waren Telefonnummern abgespeichert, die sich auch auf dem Handy des Angeklagten fanden. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters wurde der Angeklagte bereits in Bremen verurteilt, weil er einen Lastwagen fuhr, in dem die Polizei 48 Kilogramm Kokain fanden.
Über die Sicherstellung der ungewöhnlich großen Menge berichteten seinerzeit weder Polizei noch Zoll. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums waren im Rekordjahr 2023 in Deutschland mindestens 43 Tonnen Kokain sichergestellt worden, davon rund 34 Tonnen in Hamburg.
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