Ein tödlicher Streit zweier Großfamilien in Stade wird weiter die Justiz beschäftigen. Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft legten Revision gegen das Urteil ein, wie das Landgericht Stade mitteilte. Das Gericht hatte den Angeklagten wegen heimtückischen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.
Auf der Straße in den Kopf gestochen
Nach Angaben des Gerichts stach der Deutsche seinem Kontrahenten im März 2024 auf der Straße von hinten mit einem Messer in den Kopf - und das vor den Augen von Polizisten. Das Opfer starb einen Tag später. Die Richter sahen das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt an. Niedrige Beweggründe erkannten sie aber nicht und stellten auch keine besondere Schwere der Schuld fest.
Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe mit dem Feststellen der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Die Verteidigung geht von Nothilfe aus und hatte einen Freispruch beantragt. Beide gehen nun gegen das Urteil vor.
Tumult im Gerichtssaal hat Konsequenzen
Nach dem Urteilsspruch kam es im Gerichtssaal zu tumultartigen Szenen. Mitglieder der Familie des Opfers gingen lautstark auf Angehörige des Angeklagten los. Mit Kletteraktionen und Tritten gegen die Sicherheitsscheibe, die den Zuschauer- vom Richterbereich trennte, versuchten Zuschauer, zum Angeklagten zu gelangen. Ein Bruder des Opfers sprintete dem Angeklagten nach, als dieser abgeführt wurde. Beamte setzen Pfefferspray ein, um zu deeskalieren.
Die Eskalation im Gerichtssaal hat Konsequenzen. «Es werden Strafanzeigen gestellt», teilte eine Sprecherin des Landgerichts mit. Die Staatsanwaltschaft muss nun die Vorfälle bewerten und entscheiden, ob Ermittlungen eingeleitet werden. Zuvor hatte Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) schon angekündigt, dass die Randalierer «die volle Härte der niedersächsischen Justiz zu spüren» bekämen.
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