Niedersachsens Kassenärzte lehnen die geplante Reform der Krankschreibung für die Arbeit ab. Sowohl den Wegfall der telefonischen Krankschreibung als auch die verpflichtende Krankschreibung vom ersten Tag an sieht die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) kritisch.
Die telefonische Krankschreibung habe sich bewährt und sei eine sinnvolle Ergänzung der Sprechstunden in den Praxen, sagte KVN-Sprecher Detlef Haffke. Bekannte Patientinnen und Patienten mit nicht schwerwiegenden Erkrankungen könnten so niedrigschwellig behandelt werden, ohne unnötige Praxisbesuche zu verursachen. «Damit werden nicht nur die Praxisteams entlastet, sondern auch Infektionsrisiken reduziert», sagte Haffke.
KVN: Änderung führt zu Tausenden unnötigen Arztbesuchen
«Auch die Krankschreibung ab Tag eins macht keinen Sinn», sagte der Sprecher weiter. Bei späteren Krankschreibungenentfielen unnötige Arztbesuche und das Gesundheitssystem könne entlastet werden. Die geplante Änderung produziere dagegen «Abertausende Arztbesuche, die aus Sicht der KVN nicht zwingend notwendig sind».
Die Kassenärzte befürchten, dass die ohnehin angespannte Terminlage dadurch weiter zunimmt. «Zusätzliche unnötige Termine durch die Regelungen sind in Arztpraxen eines der größten Hindernisse für die Patientenversorgung», sagte Haffke. Die Änderungen würden mehr Arbeitszeit mit sich bringen, die von der Behandlungszeit abgehe, was wiederum zu längeren Wartezeiten und kürzeren Sprechstunden für die Patientinnen und Patienten führe.
Infektionsrisiko könnte steigen
Die Erwartung, dass die neuen Maßnahmen den Krankenstand reduzieren könnten, teilt die KVN nicht. Zum einen könnten Arbeitgeber schon jetzt eine Krankschreibung vom ersten Tag an fordern. «Darüber hinaus würden Arbeitnehmer zum Beispiel mit leichten Erkältungen oder Magen-Darm-Problemen durchaus den Arbeitsplatz aufsuchen und das Infektionsrisiko für die Kolleginnen und Kollegen dadurch erhöhen», vermutet Haffke.
Effektiver wären aus Sicht der KVN etwa eine gezielte Analyse der Muster in den Fehlzeiten sowie eine Förderung von ergonomischen Arbeitsplätzen und Angeboten zur mentalen Gesundheit und Stressbewältigung.
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