Mit deutlichem Vorsprung setzt sich Niedersachsens Landeshauptstadt an die Spitze des neuen „Dog Wellbeing Index 2026" – vor Duisburg, Hamburg und allen süddeutschen Metropolen. Was Hannover für Hunde so attraktiv macht und warum die Stadt zum Vorbild für andere wird.
Für Hundehalter in Niedersachsen ist es eine Bestätigung dessen, was viele längst ahnten: Hannover ist die hundefreundlichste Großstadt Deutschlands. Das belegt der aktuelle „Dog Wellbeing Index 2026" von Coway Europe, einem Unternehmen für Luftfilter, der die 25 größten deutschen Städte auf ihre Lebensqualität für Vierbeiner untersucht hat. Hannover erreicht mit 55,1 von 70 möglichen Punkten nicht nur den ersten Platz – die Stadt setzt sich auch deutlich vom Rest des Feldes ab.
Fast das Dreifache des Schlusslichts
Auf den Plätzen zwei und drei folgen Duisburg mit 39,4 Punkten und Hamburg mit 39,3 Punkten. Das Schlusslicht bilden Nürnberg und München mit jeweils 19,2 Punkten – Hannover kommt damit auf fast die dreifache Punktzahl der süddeutschen Metropolen. Ein Abstand, der in kaum einem anderen deutschen Städteranking so deutlich ausfällt.
Der Abstand ist umso bemerkenswerter, als Hannover mit rund 545.000 Einwohnern zu den kleineren Großstädten im Ranking gehört. Weder Größe noch Wirtschaftskraft, so zeigt die Studie, sind entscheidend für hundefreundliche Bedingungen – sondern eine ausgewogene Mischung aus sieben Faktoren.
Erfolgsrezept: Natur trifft Infrastruktur
Hannover überzeugt durch eine seltene Kombination verschiedener Faktoren, die alle gleichzeitig hoch bewertet werden. Bei der Anzahl der Hundeschulen und Pflegeangebote erreicht die Stadt die Maximalpunktzahl. Auch bei der tierärztlichen Versorgung liegt Hannover unter den Top-Städten – kein Zufall, denn mit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) sitzt eine der renommiertesten veterinärmedizinischen Ausbildungsstätten Europas in der Stadt. Das zieht spezialisierte Fachpraxen und Kliniken an und sorgt für eine exzellente Versorgung selbst bei seltenen Erkrankungen.
Hinzu kommt eine überdurchschnittliche Hundedichte: Im Verhältnis zur Einwohnerzahl leben in Hannover besonders viele Hunde. Das ist laut Studie ein Zeichen dafür, dass sich Halter hier willkommen fühlen – und es schafft zugleich eine lebendige Hundecommunity mit Auslaufgruppen, Dogwalking-Angeboten und vernetzten Hundeschulen.
Die Eilenriede: Ein Stadtwald als Gamechanger
Ein zentraler Faktor für Hannovers Spitzenposition ist die Versorgung mit Grünflächen. Die Eilenriede – mit rund 640 Hektar einer der größten Stadtwälder Europas – verläuft direkt durch die Stadt und bietet Hunden und ihren Haltern unzählige Wege, Lichtungen und Wasserstellen. Dazu kommen der Maschsee, die Leineauen und zahlreiche kleinere Parks, in denen Hunde zum Teil ohne Leine laufen dürfen.
Diese Freiflächen sind nicht nur wichtig für die körperliche Auslastung, sondern auch für die soziale Entwicklung der Tiere. Kontakt zu Artgenossen, Erkundungsreize und ausreichend Bewegung gelten als Grundpfeiler einer artgerechten Hundehaltung.
Saubere Luft als unterschätzter Faktor
Neben der Infrastruktur spielt auch die Luftqualität eine entscheidende Rolle. Hannover weist im Vergleich zu vielen anderen Großstädten niedrigere Feinstaubwerte (PM2.5) auf, was sich positiv auf die Bewertung auswirkt. Für Hunde ist das besonders relevant: Weil sie mit ihrer Nase dichter am Asphalt laufen, atmen sie pro Kilogramm Körpergewicht mehr Schadstoffe ein als Menschen. Gerade kurznasige Rassen wie Französische Bulldoggen oder Möpse, aber auch Senioren-Hunde, profitieren massiv von sauberer Luft.
Coway Europe erklärt dazu: „Die Daten zeigen klar, dass Städte dann besonders gut abschneiden, wenn Umweltqualität und Infrastruktur in einem ausgewogenen Verhältnis stehen."
Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen stimmen
Ein Punkt, den der Index nicht direkt bewertet, aber der zur Hundefreundlichkeit beiträgt: Niedersachsen gehört – neben Schleswig-Holstein – zu den wenigen Bundesländern ohne Rasseliste. Hunde werden dort nicht pauschal nach Rasse beurteilt, sondern individuell. Auch die Hundesteuer fällt in Hannover mit 132 Euro pro Jahr für den Ersthund moderat aus, wenn man sie mit anderen Großstädten vergleicht.
Vorbild für andere Städte
Im Vergleich zu Städten wie München oder Stuttgart wird deutlich, dass wirtschaftliche Stärke allein nicht entscheidend ist. Diese Städte verfügen zwar über eine gute medizinische Infrastruktur, schneiden jedoch aufgrund von Umweltfaktoren – vor allem Luftqualität und Verkehrsdichte – schlechter ab. Hamburg wiederum liegt im oberen Bereich des Rankings, profitiert jedoch stärker von Wasserflächen als von innerstädtischen Wäldern.
Hannover zeigt exemplarisch, wie moderne Stadtentwicklung sowohl Menschen als auch Hunden zugutekommen kann. Die Kombination aus historisch gewachsenen Grünflächen, einer starken veterinärmedizinischen Tradition und bewusster Stadtplanung dient damit als Vorbild für andere Städte, die für Vierbeiner und ihre Halter attraktiver werden wollen.