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Auch alle Lehrer bekommen Tablets – ab Klasse 1

Schon an der Grundschule können die Lehrer von einem Tablet profitieren, sagt die Landesregierung. (Symbolbild) / Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Schon an der Grundschule können die Lehrer von einem Tablet profitieren, sagt die Landesregierung. (Symbolbild) / Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Das große Bildungsprojekt von Rot-Grün nimmt weiter Form an: Vom Sommer an sollen alle Lehrkräfte in Niedersachsen ein Tablet gestellt bekommen, selbst an den Grundschulen.

Neben den Schülern der Klasse 7 sollen vom Sommer an auch alle Lehrkräfte in Niedersachsen ein Tablet erhalten – und zwar unabhängig vom Jahrgang, den sie unterrichten. «Es werden alle Lehrkräfte ein Tablet bekommen», sagte Kultusministerin Julia Willie Hamburg der Deutschen Presse-Agentur. «Die bekommen sie, weil sie nicht digital unterrichten können, wenn sie nicht auch selbst ein digitales Endgerät haben.»

Warum auch die Lehrer ein Tablet bekommen, in deren Jahrgänge die Schüler leer ausgehen werden, begründete die Grünen-Politikerin damit, dass auch Lehrkräfte etwa in der Grundschule ihren Unterricht mit dem Gerät attraktiver vorbereiten könnten.

«Es vereinfacht die Recherche, bestimmte Arbeits- und Verwaltungsprozesse gehen dann schneller, die Kommunikation in der Schule wird verbessert. Insofern glauben wir, dass das überall guten Unterricht befördert», sagte die Ministerin. «Im Übrigen wollen wir die Grundschulen mit Klassensätzen ausstatten, um die Schülerinnen und Schüler erste Erfahrung mit digitalen Endgeräten auch im schulischen Einsatz machen zu lassen.»

Diese Schüler bekommen ein Tablet

Die Einführung der Tablets geht auf ein SPD-Wahlversprechen vor der Landtagswahl 2022 zurück. Damals hieß es noch, alle Schülerinnen und Schüler sollten eines bekommen. Stattdessen ist mittlerweile eine schrittweise Ausgabe ab Klasse 7 geplant: Zum Schuljahr 2026/27 sollen die ersten Siebtklässlerinnen und Siebtklässler ihr Leih-Tablet bekommen. Dieses nehmen sie später mit in die nächste Klasse. Für jüngere Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 1 bis 6 wird es hingegen kein eigenes Tablet vom Land geben.

Dafür werden nun also auch die Lehrerinnen und Lehrer mit Tablets ausgestattet. Insgesamt arbeiten derzeit knapp 77.800 Lehrkräfte im Landesdienst an Niedersachsens allgemeinbildenden Schulen – das sind so viele wie nie zuvor. Angesichts steigender Schülerzahlen und wachsender Ansprüche an die Schulen bleibt das Land damit dennoch hinter dem Soll zurück. Die rechnerische Unterrichtsversorgung liegt bei 97,2 Prozent.

Schulen sollen keine Arbeit mit App-Installation haben

Wenn die Tablets an die Schulen geliefert werden, sollen bestimmte Apps bereits vorinstalliert sein, erklärte Hamburg weiter: «Da haben die Schulen und Schulträger keine Arbeit mit.»

Mit Blick auf die Inhalte verwies die Ministerin darauf, dass das Land ein Portfolio verschiedener Programme über eine Bildungscloud zur Verfügung stelle. «Das sind Lern-Apps, Sprachförder-Apps, Förder-Apps für verschiedenste Bereiche, auch zur Lernstandsdiagnostik», erklärte sie. Die Schulen könnten zudem weitere Apps mit einbeziehen.

Ministerpräsident Olaf Lies hatte etwa angeregt, die Tablets auch dafür zu nutzen, die Arbeit klassischer Medien an den Schulen zu vermitteln. Man müsse darüber diskutieren, wie man einen Zugang schaffen kann, die Inhalte seriöser Zeitungen, Radio- und Fernsehsender in der Schule zu integrieren und zu zeigen, wie diese funktionieren, sagte der SPD-Politiker im November.

Städte fordern eine Milliarde, Land plant mit 800 Millionen Euro

Die Opposition kritisiert das teure Tablet-Vorhaben von Rot-Grün indes. Der CDU-Abgeordnete Christian Fühner fragte Lies jüngst im Landtag, ob es nicht andere Baustellen im Bildungssystem gebe, «wofür man das Geld viel sinnvoller einsetzen könnte, statt hier irgendwelche Wahlkampfgeschenke zu verteilen». 

Lies entgegnete: «Bildung ist mehr als Tablets. Aber Tablets können einen guten Beitrag dazu leisten, Bildung zu verbessern, Medienkompetenz zu verbessern, Medienvielfalt zu verbessern.»

Fühner verwies jedoch auch auf die Kommunen, die das Projekt kritisch sähen und das vom Land in Aussicht gestellte Geld für zu gering hielten, um die Verwaltung der Geräte zu bezahlen. 

Tatsächlich forderte der Niedersächsische Städtetag Mitte Januar, das Land müsse mindestens eine Milliarde Euro für die Schul-Tablets bereitstellen. Die Landesregierung plant dagegen für die Anschaffung und Administration der Tablets bis zu 800 Millionen Euro bis zum Schuljahr 2030/31 ein. 

Land und Kommunen verhandeln über Kostenteilung

Werden die Kommunen also auf den Kosten für die Wartung der Schul-Tablets sitzenbleiben? Kultusministerin Hamburg sagte dazu: «Digitales Lernen gehört heute einfach dazu. Es ist also auch eine Aufgabe der Schulträger, hierfür ihren Teil der Aufgaben zu erledigen.»

Etwa die Hälfte der Schulträger habe ohnehin schon Tablets in den Schulen. Die Landesregierung sei aber mit den Kommunen darüber im Gespräch, wie eine sinnvolle Aufgabenteilung aussehen könne. «Wir haben den Kommunen angeboten, die Kosten für die Administration anteilig zu erstatten. Sowohl über den Aufgabenumfang der Kommunen als auch über das Geld verhandeln wir gerade», sagte die Ministerin.

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